Wie erkennt man eine Gewitterwolke?

Für Meteorologen werden die kommenden Tage sehr anspruchsvoll, denn die Gewitter sind naturgemäß kleinräumige Ereignisse und man kann sie im Vorfeld für einen bestimmten Ort nur sehr schwer vorhersagen. Was der Meteorologe gut vorher abschätzen kann, ist die Wahrscheinlichkeit für eine Region. Im Nowcastingbereich, also durch aktuelle Satelliten- und Radarbilder, kann man dann im Detail sagen, wo das Gewitter hinzieht und wie stark es ist.

Wie erkennt man eine Gewitterwolke und wann kann das Gewitter für mich bedrohlich werden? Hier gibt es ein paar kleine Tipps für Sie. Eine Gewitterwolke ist bei relativ gering bewölktem Himmel leicht zu erkennen, denn sie ist eine Wolke, die in die Höhe wächst und oft durch die Sonne sehr hell erscheint und im Frühstadium die Form eines Blumenkohls aufweist. In ihrem Reifestadium bildet sich oft ein sogenannter Amboss, denn die Wolke erreicht die Tropopause (etwa 12 km Höhe) und kann dann nicht mehr in die Höhe wachsen, sondern dehnt
mehr in die Breite aus.

Die Wolkenbasis des Gewitters ist oft sehr dunkel und am Anfang kann sie scharf definiert sein. Das bedeutet, dass die Gewitterwolke gut mit feuchtwarmer Luft versorgt ist. Wenn zusätzlich der Wind zum Gewitter weht, hat das eine weitere Verstärkung des Gewitters zur Folge.

Im Reifestadium sieht man oft, wie von der Wolkenbasis der Regen und Hagel Richtung wie ein Vorhang Boden fällt. Davor erscheinen die Wolken dunkler und weisen turbulente Strukturen und/oder auch eine Bogenform auf, im Meteorologenjargon die “shelf cloud”. Sie trennt den Bereich, in dem die feuchtwarme Luft aufsteigt, vom Bereich der durch den Niederschlag erzeugten Abwinde. Dies weist auch auf Sturmböen hin, die manchmal schon vor dem Regen auftreten können. Dann ist in der Regel das Gewitter nicht mehr so stark oder es beginnt sich abzuschwächen.

Die allgemeinen Regeln bei Gewittern lauten: Nicht unter Bäumen oder Masten stehen, möglichst ein sicheres Gebäude aufsuchen. Im Auto ist man zwar vor Blitzschlag geschützt, aber man muss im Blick haben, ob es Sturmböen gibt. Falls ja sollte man möglichst von Bäumen fernhalten. Zudem sind bei heftigem Starkregen besonders Senken und Unterführungen von Überschwemmungen gefährdet und in den Gebirgsregionen drohen Erdrutsche und Schlammlawinen.

Dipl.-Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst

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